Der Begriff „Ethik“ ist in der Unternehmenswelt präsenter denn je. Gleichzeitig bleibt er häufig abstrakt. Viele Zertifikate prüfen punktuell, dokumentieren Standards und bestätigen Konformität – doch sie begleiten weder Entwicklung in der Unternehmenskultur noch überprüfen sie die ehrliche Motivation, einen positiven Beitrag zu leisten.
Seit letztem Jahr trägt Sojourn das Gütesiegel „Committed to Business Ethics“ von SunHearts. Kennengelernt habe ich eine der Gründerinnen von SunHearts auf einer Veranstaltung. Was mich sofort beeindruckt hat, war nicht ein Versprechen, sondern ihre Klarheit: Ethik als strukturelles Managementthema zu verstehen – nicht als moralische Selbstinszenierung. Ihr Ansatz war präzise, ruhig und konsequent. Genau das hat überzeugt.
SunHearts versteht Business-Ethik nicht als statisches Prüfkriterium, sondern als einen fortlaufenden Transformationsprozess. Im Zentrum steht eine strukturierte Begleitung von Unternehmen – langfristig, individuell und praxisnah.
Es geht nicht um moralische Perfektion. Es geht um ernsthafte Auseinandersetzung mit unternehmerischer Verantwortung – um kontinuierliches Lernen, bewusste Entscheidungen und ehrliche Selbstreflexion
Das Gütesiegel „Committed to Business Ethics“ – ein sichtbares Commitment
Im Jahr 2023 lancierte SunHearts das erste Schweizer Gütesiegel für Business-Ethik: „Committed to Business Ethics“.
Anders als klassische Audit-Siegel wird dieses Label nicht erst nach vollständiger Umsetzung vergeben. Es markiert den bewussten Start einer Reise. Unternehmen verpflichten sich öffentlich dazu, ethische Prinzipien systematisch in ihre Strukturen zu integrieren –– begleitet durch einen externen Ethical Business Guardener. Der Guardener vereint zwei Rollen: die eines Guardians, der als Hüter ethischer Prinzipien Orientierung gibt, und die eines Gardener (Gärtners), der Impulse setzt, neue Samen sät und so die Voraussetzungen schafft, damit ethische Verantwortung im Unternehmen wachsen und langfristig gedeihen kann.
Das Siegel ist weniger Abschluss als Anfang. Es signalisiert: Wir verpflichten uns, Entscheidungen im Sinne des Ganzen zu treffen und verantwortungsvoll zu handeln. Wir stellen uns einer strukturierten Auseinandersetzung mit ethischen Prinzipien – und nehmen diese Verantwortung ernst.
Die „Common Journey“ – wie Ethik operationalisiert wird
SunHearts bezeichnet den Prozess als „Common Journey to Business Ethics“. Diese Reise beginnt mit ethischen Prinzipien als Fundament und mit einer gemeinsamen Werteklärung zwischen Geschäftsführung und SunHearts. Darauf folgt eine strukturierte Analyse der bestehenden Organisationsform:
- Entscheidungsprozesse
- Führungsstrukturen
- Lieferketten
- interne und externe Kommunikation
- Umgang mit Interessenskonflikten
Zentral ist dabei die Rolle der sogenannten „Ethical Business Guardener“ – externe Ethikberater:innen, die Unternehmen über längere Zeit begleiten. Sie coachen, reflektieren, stellen kritische Fragen und helfen, Werte in operative Routinen zu übersetzen.
Die SunHeart Academy – Bildung als integraler Bestandteil
Ergänzend zur Begleitung bietet die SunHeart Academy Weiterbildungsprogramme für Unternehmer:innen und Führungskräfte an. Hier werden ethische Prinzipien nicht moralisch diskutiert, sondern unternehmerisch durchdrungen:
- Wie beeinflusst eine Entscheidung Lieferketten?
- Wie wirken Incentive-Systeme auf Unternehmenskultur?
- Wie lassen sich Werte in Governance-Strukturen abbilden?
Wissen, Reflexion und Anwendung greifen ineinander. Ethik wird als Managementkompetenz verstanden – nicht als kommunikatives Add-on, sondern als Teil professioneller Unternehmensführung.

Karin Fuchs-Häseli und Deborah Keller, Co-Founders & Managing Partners SunHearts
Warum dieser Ansatz marktrelevant ist
Für Geschäftspartner:innen – insbesondere auch im Premium-, Spa- oder Hospitality-Kontext – wird ethische Transparenz zunehmend zu einem strategischen Faktor.
Lieferketten, Materialherkunft, Führungsstil und Entscheidungsqualität prägen längst die Wahrnehmung einer Marke. Strukturelle Verankerung schafft Glaubwürdigkeit – nicht durch Perfektion, sondern durch Klarheit.
SunHearts positioniert Ethik daher nicht als moralische Selbstverpflichtung, sondern als tragfähiges Fundament nachhaltiger ökonomischer Praxis.
Was das für Sojourn bedeutet
Sojourn arbeitet seit Gründung mit familiengeführten Manufakturen, mit möglichst transparenten Lieferketten und bewusst reduzierten Sortimentstiefen. Viele dieser Entscheidungen sind aus innerer Überzeugung entstanden.
Durch die Zusammenarbeit mit SunHearts wird diese Haltung systematisch geschärft. Nicht im Sinne eines „Green Claims“. Sondern als strukturierte, kontinuierliche Reflexion.
Für uns bedeutet das:
- Entscheidungsprozesse werden bewusster hinterfragt.
- Strukturen werden klarer formuliert.
- Verantwortlichkeiten werden explizit gemacht.
- Entwicklung bleibt Teil eines definierten Rahmens.
Was uns persönlich überzeugt:
Der Ansatz fordert – aber er urteilt nicht.
Er strukturiert – aber er moralisiert nicht. Genau darin liegt seine Stärke.
Reise statt Statusnachweis
Ein Audit misst einen Zeitpunkt.
Eine Reise begleitet Veränderung.
Unternehmen entwickeln sich weiter – durch Wachstum, neue Partnerschaften, neue Märkte. Entscheidungen werden komplexer, Verantwortung vielschichtiger. Ethik muss in diesem Prozess mitwachsen.
Genau hier liegt die Stärke des SunHearts-Ansatzes: Business-Ethik wird nicht als fixer Zustand verstanden, sondern als dynamisches System, das kontinuierlich gepflegt und reflektiert werden muss.
Das Label „Committed to Business Ethics“ steht daher nicht für Perfektion. Es steht für die bewusste Entscheidung, Entwicklung ernst zu nehmen.
Fazit: Struktur schafft Vertrauen
SunHearts liefert kein Zertifikat zum Abheften.
Es bietet einen strukturierten Rahmen für unternehmerische Integrität – klar, methodisch und langfristig angelegt.
Für Sojourn war und ist die Zusammenarbeit ein konsequenter Schritt. Viele unserer Entscheidungen basieren auf innerer Überzeugung. Durch den strukturierten Ansatz von SunHearts erhalten sie zusätzliche Klarheit und Verbindlichkeit.
Wir verorten unsere unternehmerischen Entscheidungen bewusst in einem definierten ethischen Kontext – nicht als Einzelmaßnahme und nicht als kommunikatives Statement, sondern als kontinuierliche Managementdisziplin.
Für uns persönlich liegt genau darin der Wert:
Haltung wird nicht nur formuliert. Sie wird geprüft, geschärft und weiterentwickelt.
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Weitere Informationen zur „Common Journey to Business Ethics“, zur SunHearts Academy und zum Gütesiegel „Committed to Business Ethics“ finden sich unter:
www.sunhearts.org
Business-Ethik ist kein Zustand.
Sie ist ein fortlaufender Prozess.

